Anmeldung
PROMI MEMORIAL
Albert Schweitzer
14.01.1875 - 04.09.1965
verstorben im Alter von 90 Jahren
Lambarene, Gabun
| Geburtsort: | Kayserberg, Frankreich |
| Beruf: | Theologe, Arzt, Musiker und Philosoph |
Webadresse diese Memorials: http://www.emorial.de/Albert_Schweitzer
Theologe, Dschungel-Arzt, Nobelpreisträger
Albert Schweitzer ist eine der faszinierendsten Personen des 20. Jahrhunderts. Der evangelische Theologe, Orgelkünstler, Musikforscher, Philosoph und Arzt kam 1875 im Oberelsass zur Welt, das damals dem Deutschen Reich angehörte. Von 1902-1905 war Albert Schweitzer, der Theologie und Philosophie studiert hatte und in Konzertreife Orgel und Piano spielen konnte, als Dozent an der Universität Straßburg tätig. Im Alter von 30 Jahren begann das Multitalent Medizin zu studieren, heiratete 1912 Helene Bresslau und ging direkt nach dem Staatsexamen als Missionsarzt in das damalige französische Äquatorial-Afrika – ein geradezu aberwitziger Plan. Dort gründete er in einem kleinen Urwaldort am Fluss Ogowe das Tropenhospital Lambaréné. Dieses finanzierte er durch Orgelkonzerte, Vorträge und Veröffentlichungen als Schriftsteller. 1917 wurde das Ehepaar Schweitzer von Afrika nach Frankreich überführt und zeitweise interniert. Nach dem Krieg kamen sie 1918 ins Elsass zurück, das inzwischen wieder zu Frankreich gehörte. Dort nahm Albert Schweitzer wieder die Stelle als Vikar in St. Nikolai an und trat als Assistenzarzt in ein Straßburger Spital ein. 1919 wurde die Tochter Rhena Schweitzer-Miller geboren. Dank des schwedischen Bischofs Nathan Söderblom konnte Albert Schweitzer ab 1920 in Schweden Vorträge über seine Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ halten, mittels Orgelkonzerten seine Schulden bezahlen und Geld für die Rückkehr nach Afrika verdienen, um dort sein Urwaldhospital auszubauen. So kehrte er 1924 nach Lambaréné zurück, wo er – abgesehen von seinen Reisen - bis zu seinem Lebensende blieb. Durch die Reisen, seine Vorträge, Konzerte, Bücher und Berichte wurde der Urwald-Doktor weltberühmt.
In den 50er Jahren avancierte Albert Schweitzer zu einem der Wortführer der internationalen Friedensbewegung gegen atomare Aufrüstung. Er wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1951 ausgezeichnet und erhielt den Friedensnobelpreis 1952. Das Nobel-Kommitee zeichnete sein jahrelanges Wirken als Arzt in der Krankenstation Lambaréné im Urwald aus sowie sein Handeln für Völkerverständigung und gegen koloniale Ausbeutung. In Frankreich wurde er mit dem höchsten Orden der Friedensklasse „Pour le Mérite“ 1954 ausgezeichnet. In seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises 1952 warnte Schweitzer davor, alle Verbrechen der Weltgeschichte allein „den Deutschen“ und dem Nationalsozialismus anzulasten und deren Verbrechen als „einzigartig“ hinzustellen, vielmehr sei jede Art von Gewalt zu allen Zeiten und bei allen Völkern gleichermaßen zu verurteilen. Zudem engagierte er sich weiter für ein Verbot der atomaren Aufrüstung. Zusammen mit Linus Pauling, Otto Hahn und der restlichen Anti-Atomwaffenbewegung war er auch erfolgreich, denn das 1963 unterzeichnete Versuchsstoppabkommen für oberirdische Atomwaffentests ist bis heute gültig. Schweitzer hat als universelles Genie auch bedeutende philosophische Gedanken formuliert. Aus seiner „Ehrfurcht vor dem Leben“leitete er eine für das frühe 20. Jahrhundert neue Fortschritts-Skeptik ab: „Das Können des Menschen ist größer geworden als seine Vernünftigkeit".
Albert Schweitzer galt auch als begnadeter Orgelspieler, Musikwissenschaftler, Theoretiker des Orgelbaus und einer der stilbildenden Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs – all diese Talente pflegte er auch in seiner Dschungel-Unterkunft. Unermüdlich arbeitete Schweitzer in seinem Urwald-Krankenhaus als Arzt und kehrte immer wieder nach Europa und Amerika zurück, um Geld und Sachspenden zu sammeln. Nur so war es möglich, den medizinischen Betrieb aufrechterhalten zu können. Dabei baute er zusätzlich ein Dorf für Lepra-Kranke auf. Ein typisches Schweitzer-Zitat: „Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“
Ende August 1965 ließen seine Kräfte rasch nach und Albert Schweitzer starb am 4. September im Alter von 90 Jahren. Am nächsten Tag wurde er neben seiner Frau, die 1957 starb, auf dem Friedhof in Lambaréné beigesetzt.
Das von Albert Schweitzer 1913 gegründete Hospital ist immer noch eine wichtige medizinische Institution. Das Spital wird von der Republik Gabun teilweise subventioniert und ist für die medizinische Grundversorgung der Region Lambaréné zuständig. Heute umfasst die Klinik chirurgische und allgemein medizinische Abteilungen, Kinderklinik, Frauenklinik, geriatrische und psychiatrische Stationen. Angegliedert an das Spital sind eine Zahnklinik und ein wissenschaftliches Labor, in welchem die Therapie und die Prophylaxe von Malaria erforscht werden. Über sein Erbe sagte Schweitzer: „Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen.“
Seit einiger Zeit können auch Touristen Schweitzers Urwald-Krankenhaus besuchen. Die Klinik bietet gegen Gebühr bzw. Spende auch Führungen durch den noch bis 1981 in Betrieb befindlichen und gänzlich in den Originalzustand versetzten historischen Teil des Spitals, durch das Albert-Schweitzer-Museum und einen Rundgang auf den Spuren Schweitzers an. Außerdem können Gäste im alten Teil des Albert-Schweitzer-Lazaretts auch übernachten. Angeboten werden ein Studio für 1-2 Personen oder der ganze Schlafsaal für bis zu acht Schweitzer-Fans. „Dieser gesamte im Spitaldorf und an den Ufern des Flusses Ogowe in naturgeschützter Umgebung gelegene Komplex ist erfüllt von der Erinnerung an Albert Schweitzer und stellt eins der ersten Ökomuseen Afrikas dar.“, wirbt die Albert Schweitzer-Stiftung für einen Besuch im Urwald-Krankenhaus.
Für weitere Informationen (Reservierung, Preise): fondation.schweitzer@laposte.net
Dieses Memorial hat noch keine Bildergalerie
Dieses Memorial hat noch keine Audio oder Video Dateien.